Alfred…

AlfredMensch Alfred! Ausgerechnet beim allerletzten Lauf einen Frühstart hingelegt. Viel zu früh! Du warst nicht zu stoppen. Weder durch Ersatzteile aus Titan noch durch Trainingsunfälle. Auch wenn das Blut nach einem Sturz in Strömen floss konnte man Dich nur mit Mühe von der Strecke zerren. Du wärst immer gerne mehr gelaufen. Wir danken Dir für großartige Momente im Wald…

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Essen-Marathon…

Wehr 2015Morgens auf dem Wehr ist es sehr still. Es gibt nicht den allerkleinsten Hinweis auf den anstehenden Fight. Nur dieses Licht und diese unglaublichen Farben. Der See gibt mal wieder alles. Das kann er dann doch wohl auch von den Läufern erwarten. Hat er auch.


33Auf der Wendestrecke signalisieren alle bekannten Gesichter: es läuft! Die Halbmarathonmarke wird in einer kleinen 1:29 erreicht aber der Druck wird einfach nicht weniger. Wenn Du hier läufst solltest Du Dir Gefährten suchen. Denn Wind ist immer. Und manchmal gibt es sogar psychologische Betreuung durch den schlimmsten Konkurrenten für lau. „Mach nicht so`n Gesicht“ – „Ach, heute ist Kante“ – „Ist ja auch kein Ponyhof hier“. Wohl wahr, bei Km 33 sinkt der Schnitt, die zwei Kollegen ziehen weg. Gottseidank ist die Strecke aber gut beschildert.


Essen_Ziel_2015Bei Km 36 ist die kurze Krise vorbei und das Tempo steigt wieder. Michael startet daraufhin den Endspurt um die Ak-Plätze. Diesmal gebührt ihm der Vortritt, hat er doch auf der ersten Hälfte eindeutig mehr gearbeitet. Heute war mit Abstand das Wichtigste, dass noch einmal die 2 vorne steht. Ein paar Meter hinter der Ziellinie beginnt die Erleichterung und die Freude. Die Familie ist auch da. Manches was befürchtet wurde blieb aus. Und manches war richtig, richtig schön…




Lost Man Formation
Im Oktober 85 hat er mich auf seiner klapprigen Karre zum ersten Einsatz an den See gefahren. Nachher saßen wir zusammen auf der Wiese und ich dachte: „So eine Scheiße mache ich nie wieder…“. Aufgrund klammer Kassen beschränkten sich die Feierlichkeiten auf eine geteilte Tüte Chips und eine Flasche Cola.

Niemand hat die Tristesse unseres Viertels besser eingefangen als Thomas Struth in seiner berühmten Photographie Sommerstrasse aus dem Jahr 1980. Niemand hat je versucht einzufangen wie viel mehr Leben in diese Straße einkehrt wenn dort ein junger Kerl den Hahn der Fahrschul-Kawasaki richtig aufmacht. Wir sind viel gefahren damals. Manchmal spät nur noch kurz die Fahneburg rauf. Dort diskutierten wir in sternklaren Nächten die Fragen aller Fragen. Werden wir jemals genug Kohle haben um uns eine Moto-Guzzi zu kaufen? Und wie es wohl sei mit einer erfahrenen Frau – über dreißig – zu schlafen? Er hat beides geschafft. Aber am Tag nach seinem 54 Geburtstag war die Tour endgültig vorbei. In einer guzziroten Kugel versenkten wir seine Asche ins Erdreich. Ein großer Chaot ist von uns gegangen. Rest in peace Jo, rest in peace…

Old Man
Old man look at my life, I’m a lot like you were.
Fifty four and there’s so much more.
I’ve been first and last.
Look at how the time goes past…



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Sengbach-Talsperrenlauf…

MB_bd_in_SengbachDer Vierzigste, Hut ab! Nach einer gefühlten Dekade, in der die Veranstalter jedes Jahr logen, im nächsten Jahr würde garantiert die Sonne scheinen, war es diesmal tatsächlich muckelig auf der Talsperrenrunde.

Vom angestammten Startplatz wurde man nach hinten geschoben mit der Bemerkung: „ich muss in die erste Reihe, das ist mein erster Halbmarathon und mein Freund steht da vorne und macht Photos…

Egal bei welchem Wetter, es bleibt ein Erlebnis in die Wand einzusteigen und zu beobachten was aus einem auf den nächsten paar Hundertmetern so wird. Wie auch immer, jetzt ist mal Schluss mit Hügeln. Das Wehr, die Kampmannbrücke und die Bahnüberquerung in den goldenen Feldern von Bertlich sind die einzigen Erhebungen für den Rest des Jahres…

Manchmal sind alle Wege und alle Tore versperrt. Versperrt von hohen Bergen. Meine Herren, einmal voll auf die Zwölf bitte…



Zoff
Es war mal wieder soweit. Man fragt sich warum es in all den vergangenen Zeitaltern niemals Ärger gab mit Pilzsuchern, Landschaftsphotographen oder Fledermausforschern. Irgendwie sind es immer die Hundehalter. Genauso unerklärlich ist der Drang sich unbedingt im rechten Winkel zur Anger zu formieren um sich am Bild der sich im verbleibenden Kanal herumtollenden haarigen Übergangsobjekte, die sich gegenseitig die Körperöffnungen beschnüffeln, zu erfreuen. Der Rest ist Ritual. Tempo beibehalten, Köter anranzen. Daraufhin Androhung körperlicher Gewalt, gefolgt von der recht zusammenhangslosen Vermutung man sei ein Freund automanueller Stimulation bzw. man präferiere gleichgeschlechtliche Fellatio usw. usw…

Ich träume von einer Zeit in der sich alle mit Toleranz und Respekt in unserem wunderbaren Wald begegnen. Und das gilt selbst für Leute die einem anderen Säugetier eine Kordel um den Hals binden um dem beim Kacken zuzusehen…

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Monschau

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Gottseidank stellte sich auf der morgendlichen Hinfahrt Nebel ein, sonst wären wir aus Versehen pünktlich gewesen. Aufgrund der belebenden Temperaturen und der „Dolomiten-Stakkato-Technik“ waren die Anstiege ein reiner Genuss. Bald wird eine andere Sichtweise in den Fokus rücken aber diese Runde war defintiv zu schnell vorbei. Die Verpflegung war einmal mehr ein Traum, sodass wir vollkommen überzuckert das Ziel erreichten.

Honigzelt1 Honigzelt2 Honigzelt3

Mit jeder dieser magischen Runden hänge ich mehr am Leben.

Ode an Monschau…
Monschau
Und wenn uns das Wasser doch mal bis zum Hals steht? Was wenn wir untergehn? Wir singen einfach weiter. Sing kleiner Vogel, sing…



Tagebucheintrag: Langer Lauf vor Monschau
Wer kennt das nicht. Eine harte Trainingseinheit steht an, aber man kommt einfach nicht in die Gänge. Trödelt rum bis man plötzlich aufschreckt weil es dunkel zu werden droht im Angertal. Lustlos geht’s los. Der dämliche Knopf, aus dem eigentlich Musik kommen sollte fällt dauernd aus dem Ohr. Vielleicht ist die Zeit für sowas aber auch vorbei? Vielleicht lohnt sich der der ganze Aufwand einfach nicht mehr? Wie zur Bestätigung kommt mir auf dem Waldweg eine Knalltüte auf einem Quad entgegen. Die heiße Sommerluft mischt sich mit Dreck und verursacht eine Staublunge die meinen – das Ruhrgebiet untertunnelden Vorfahren – zur Ehre gereicht hätte. Schon am ersten Anstieg zum Blauen See eine seltsame Wendung. Die Beine werden schneller. Das Blut wird lauter. Das Leben kehrt zurück. Damit aufhören? Kann wohl nicht mein Ernst gewesen sein…

An der Eule fallen mir alte Rituale ein. Zur Begrüßung zogen wir einen Stapel eselohriger Schätze aus der Hosentasche. In rasender Folge wurde dem Gegenüber der Fundus von Fußballbildern vorgeblättert. Meist mit einem „Ham’ma“ – als Abkürzung für „Haben wir bereits in der Kollektion“ – quittiert. Wenn einer – Dekaden später – den Drang verspürt ähnliches mit seiner Frau anzustellen ist irgendetwas schief gelaufen…

An der Auermühle kehrt die Müdigkeit zurück. Aber irgendwie ist sie anders. An der Jugendherberge kommen mir Jungs – gerade mal eingeschult – entgegen. Im Vorbeilaufen hören ich den einen sagen: „Gestern hab ich `ne Spinne gegessen“! Der andere kontert: „Ich ess jeden Tag Spinnen“! Alle Männer sind gleich… Weiterlesen

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Brixen Marathon

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Welchen Grund gibt es in den Dolomiten zu laufen? 2300 Höhenmeter auf 42,195km? Auch wenn eine Staffel als mildernde Umstände geltend gemacht werden kann? Gibt es dort nicht viel besseres zu tun wie … Schüttelbrot mit Tiroler Speck essen oder Gewürztraminer trinken? Spielt übertriebener Ehrgeiz bei der Vorbereitung des Streckenabschnitts 12-14km beim Monschau Marathon oder gar das Erlernen einer neuen Berglauftechnik eine Rolle, bei der die Arme wie bei einem Orang-Utan über der Steigung an einem Steilhang schleifen müssen, aber gleichzeitig „ohne Anstrengung“ gelaufen werden muss?

Fragen über Fragen … aber keine plausiblen Antworten. Ist ja auch egal. Ein Läufer tut, was ein Läufer tun muss. Er läuft. Und am Ende einer wunderbaren Laufwoche in Sta. Cristina im Grödnertal lösen sich alle Fragen sowieso in Wohlgefallen auf.

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