Essen-Marathon…

Wehr 2015Morgens auf dem Wehr ist es sehr still. Es gibt nicht den allerkleinsten Hinweis auf den anstehenden Fight. Nur dieses Licht und diese unglaublichen Farben. Der See gibt mal wieder alles. Das kann er dann doch wohl auch von den Läufern erwarten. Hat er auch.


33Auf der Wendestrecke signalisieren alle bekannten Gesichter: es läuft! Die Halbmarathonmarke wird in einer kleinen 1:29 erreicht aber der Druck wird einfach nicht weniger. Wenn Du hier läufst solltest Du Dir Gefährten suchen. Denn Wind ist immer. Und manchmal gibt es sogar psychologische Betreuung durch den schlimmsten Konkurrenten für lau. „Mach nicht so`n Gesicht“ – „Ach, heute ist Kante“ – „Ist ja auch kein Ponyhof hier“. Wohl wahr, bei Km 33 sinkt der Schnitt, die zwei Kollegen ziehen weg. Gottseidank ist die Strecke aber gut beschildert.


Essen_Ziel_2015Bei Km 36 ist die kurze Krise vorbei und das Tempo steigt wieder. Michael startet daraufhin den Endspurt um die Ak-Plätze. Diesmal gebührt ihm der Vortritt, hat er doch auf der ersten Hälfte eindeutig mehr gearbeitet. Heute war mit Abstand das Wichtigste, dass noch einmal die 2 vorne steht. Ein paar Meter hinter der Ziellinie beginnt die Erleichterung und die Freude. Die Familie ist auch da. Manches was befürchtet wurde blieb aus. Und manches war richtig, richtig schön…




Lost Man Formation
Im Oktober 85 hat er mich auf seiner klapprigen Karre zum ersten Einsatz an den See gefahren. Nachher saßen wir zusammen auf der Wiese und ich dachte: „So eine Scheiße mache ich nie wieder…“. Aufgrund klammer Kassen beschränkten sich die Feierlichkeiten auf eine geteilte Tüte Chips und eine Flasche Cola.

Niemand hat die Tristesse unseres Viertels besser eingefangen als Thomas Struth in seiner berühmten Photographie Sommerstrasse aus dem Jahr 1980. Niemand hat je versucht einzufangen wie viel mehr Leben in diese Straße einkehrt wenn dort ein junger Kerl den Hahn der Fahrschul-Kawasaki richtig aufmacht. Wir sind viel gefahren damals. Manchmal spät nur noch kurz die Fahneburg rauf. Dort diskutierten wir in sternklaren Nächten die Fragen aller Fragen. Werden wir jemals genug Kohle haben um uns eine Moto-Guzzi zu kaufen? Und wie es wohl sei mit einer erfahrenen Frau – über dreißig – zu schlafen? Er hat beides geschafft. Aber am Tag nach seinem 54 Geburtstag war die Tour endgültig vorbei. In einer guzziroten Kugel versenkten wir seine Asche ins Erdreich. Ein großer Chaot ist von uns gegangen. Rest in peace Jo, rest in peace…

Old Man
Old man look at my life, I’m a lot like you were.
Fifty four and there’s so much more.
I’ve been first and last.
Look at how the time goes past…



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